Bei PAN ist Musik interdisziplinär

In Berlin ist eines der wichtigsten Labels in der experimentellen elektronischen Musik ansässig: PAN wurde 2008 von Bill Kouligas gegründet und machte sich schnell einen Namen als Förderer experimenteller Musik. Das Label verbindet den Vibe der deutschen Hauptstadt mit kulturellen Einflüssen aus London und Athen.

Bei PAN darf ausprobiert werden, weshalb sich hier Stile wie Noise und visuelle Medien finden. Das Konzept der Schallplatte oder des Albums wird teilweise aufgelöst in eine multidimensionale Performance sich überlagernder Medien und Genres.

Ein Beispiel ist der Amerikaner Yves Tumor, der heute in Italien lebt und ein wichtiger Musiker im Bereich der experimentellen elektronischen Musik ist. Er startete mit sogenannter post-chill Musik, schaffte dann aber mit ungewöhnlich scharfen Schlagzeug-Klängen und nahezu verborgenen Gitarrenriffs musikalische Landschaften, in denen sich der Zuhörer schnell verlieren kann.

Beats mit Viren infiziert

Eine Besonderheit bei PAN ist, dass nicht nur Musiker vertreten werden, sondern auch Künstler, die visuell arbeiten. Das gehört zum interdisziplinären Konzept des Verlages, der nach wie vor hochwertige Tonträger und digitale Werke herstellt. Einer der bekanntesten Künstler in diesem Bereich ist James Hoff. Er benutzte zum Beispiel einen Computervirus, um Beats zu infizieren und aus dem Ergebnis sieben neue Kompositionen zu machen. PAN-Gründer Kouligas war für die Typografie des Albums Blaster selbst verantwortlich.

Konzeptionelle Musik ist auch das Metier von Eartheater, die 2020 die Single Below the clavicle veröffentlich haben. Dabei beschäftigt sich die Sängerin mit dem Gedanken vor dem Gedanken, „wenn eine Situation noch unterhalb des Schlüsselbeins ist und noch nicht den Weg ins Gehirn gefunden hat“, wie sie es selbst beschreibt.

Mit dem Projekt Entopia will das Label noch weiter gehen und den Begriff Soundtrack neu definieren. Man will Kompositionen aus dem eigenen Repertoire auf eine neue Ebene bringen und versuchen, alle künstlerischen Genres zu vereinen. PAN arbeitet mit dem Institut for Contemporary Art in London und dem Berliner Berghain zusammen.