Bei Rudi Records wird improvisiert

In Italien hat sich ein kleines Label einen großen Namen im Bereich des Impro Jazz und der Improvisation allgemein gemacht. Rudi Records sitzt in Terracina und versteht sich als unabhängige Plattenfirma mit einem Focus auf Jazz, elektronische Musik und Avantgarde. Ursprünglich wollte man dem Publikum Jazz in seiner modernen Form nahebringen, bei der Improvisation und künstlerische Freiheit eine große Rolle spielen. Bald erweiterte man das Spektrum, versuchte aber als gemeinsamen Rahme eines zu behalten: Authentizität.

Wohl wissend, das solche Nischen kommerziell mit einem hohen Risiko verbunden sind, wurde die Firma dennoch gegründet. Sie konnte einige hochinteressante Alben auf den Markt bringen und italienische und internationale Künstler verpflichten. Heute zählt das Portfolio über 100 Musiker.

Hommage an den Süden Italiens

Stone ist eines der neueren Alben, erstellt vom Porta Palace Collective um den Trompeter Johnny Lapio. Er holte sich, wie auch bei vorherigen Projekten, weitere Musiker und gibt nun Live-Konzerte. Eines wurde in Turin aufgenommen und dann als Platte veröffentlicht. Es ist ein seltenes Zeugnis, wie Musiker live in ihre Musik versinken und sich in neue Sphären begeben. Manche bezeichnen die Musik auch als Neuroplastic Groove, weil sie hypnotische Elemente hat.

Das Francesco Chiapperini Extemporary Vision Ensemble hat bei Rudi Records das Album The Big Earth veröffentlicht. Auf ihm versucht Komponist Francesco Chiapperini, ein Stück seiner eigenen Werke in ein neues Kleid zu fassen. Seine Absicht: eine Hommage an seine Heimat Puglia, aber auch an den Süden Italiens und dessen Musikszene. Das wird deutlich in der heiteren Grundstimmung, die die zwölf Free-Jazz-Stücke haben. Chiapperini beweist Qualitäten als Solist an der Klarinette und als Bandleader.

Honest John wiederum ist ein skandinavisches Jazz-Quintett, das seine Ursprünge in Norwegen hat, aber viele musikalische Sprachen spricht. So hat man sich dem dänischen Free-Jazz verschrieben, geht aber auch ganz eigene Wege. Auf dem Album Canarie verbinden sich offene Formen und komplexe Strukturen zu einem eigenen musikalischen Pfad der Gruppe.